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Werner Paß

Coesfeld
www.coesfeld.de
Skulpturen
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Titel: Aufrechte Form 8
Weitere Infos:

Titel: Ruhende Form 7
Weitere Infos:

Titel: Rudende Form 21
Weitere Infos:

Vita:

1956 in Coesfeld geboren als jüngstes von fünf Kindern

1972-1982 Arbeit im Bankgewerbe und Metallhandwerk.
In dieser Zeit entstehen Zeichnungen und Collagen

1982-1986 Studium der Bildhauerei an den FH Aachen und Köln.
Nach Auseinandersetzung mit der Informellen Plastik Rückkehr zur
figürlichen Bildhauerei

1988-1995 Dozent an der FH Aachen für Bildhauerei.
Klasse Prof. Wolfgang Bier

1997-2000 Dozent Akademie Gestaltung HWK Münster

seit 1990 Schmiedeplastisches Werk

Werner Paß ist Vater von drei Töchtern. Er lebt und arbeitet in Havixbeck
bei Münster.




Ausstellungen:

Austellungen, Auswahl:

Große Kunstausstellung NRW, Düsseldorf
Internationale Biennale Kleinplastik, Hilden
Ludwigforum, Aachen
Kunstforum, Düsseldorf
Kunstverein, Jülich
Künstlerhaus, Aachen
Kunstverein, Langenberg
Expo, Hannover
Kunstverein, Lüdinghausen
Galerie Noack, Mönchengladbach
Haus Spies, Erkelenz
Galerie Derix, Roermond/NL
Kunstverein, Hilden
Kunstverein, Erkelenz
ARNO, Berlin
Maschinenhalle Scherlebeck, Herten
Kunstverein, Hattingen
SAP, Walldorf
Art Zürich, Zürich
bus Kunsthalle, Duisburg
Kunsthaus NRW, mit Otto Piene
Merck-Finck Bank, Köln



Info:

Widerstand und Balance

Zu den Skulpturen des Bildhauers Werner Paß

Über Bildhauerei zu schreiben stellt jeden, der es versucht, vor ein
Problem, das sich nicht lösen sondern nur gedanklich vergegenwärtigen
läßt, damit wir wenigstens wissen, in welche Fallen wir tappen, wenn wir in
den Diskurs über Kunst eintreten: Wann immer wir im Sinne eines
besseren, tieferen Verständnisses von Kunst über sie reden, wiederholen
wir letztlich doch nur die fragwürdige Herrschaftsgeste der Philosophie
Hegels, derzufolge die Kunst gemäß ihrer Beziehung zum Weltgeist, zum
Logos zu beurteilen und zu kategorisieren sei. Folglich stehe die Poesie
als Weltdeutung durch Sprache an oberster Stelle, weil sie als geistigste
und materialfernste der Künste zu gelten habe. Die
anwendungsorientierten Künste, dominiert von den Erfordernissen Ihres
zweckhaften Gebrauchs und der mechanisch zu bearbeitenden Materialien,
seien als niedrigste Gattung anzusehen. Eine mittlere Position nähmen
Bildhauerei, Malerei und Musik ein, in denen noch nicht die reine, vom
Stoff befreite Gedankenkunst der Poesie erreicht sei, jedoch das Geistige
sich in einer der Anschauung zugänglichen sinnlichen Form manifestiere.
Eine solche Auffassung übersieht, das sich der geistige Gehalt von Werken
der bildenden Kunst niemals adäquat und vollkommen in Sprache
überführen läßt: Es bleibt immer ein nicht verbalisierbarer Rest übrig.
Zwischen der figurativen Ordnung der bildenden Künste und der
diskursiven Ordnung der Sprache tut sich ein Spalt auf, der nicht zu
überbrücken ist. Nichts ist daher unbefriedigender und überflüssiger als
die Geschwätzigkeit vieler Ausstellungskataloge, in denen unter
Aufbietung von Metaphern und Vergleichen die Exponate umständlich
beschrieben und ihnen vermeintliche Deutungen abgerungen werden.
Diese Bemühungen fallen um so verzweifelter aus, je mehr sich die Kunst
seit dem Anbruch der Moderne diesem Anspruch verweigerte und darauf
verzichtete, immer etwas nachahmen, darstellen oder ausdrücken zu
wollen. Andererseits befinden sich bestimmte Richtungen der modernen
und postmodernen Kunst in der prekären Situation, auf Kommentare und
Einbettung in einen kunsttheoretischen Diskurs angewiesen zu sein, weil
sie sich von den vertrauten Wahrnehmungs- und Deutungsmustern des
Publikums sehr weit entfernt haben.
Das Sprechen über bildende Kunst sollte sich demnach stets jener Lücke
zwischen den unterschiedlichen Ordnungen bewußt sein, denen sie selbst
und das Objekt ihrer Betrachtung unterliegen. Über das Material, die
Verfahren seiner Bearbeitung, die erahnten Verweise, die es durch seine
Gestaltung gibt, können wir reden, nicht aber über in den Werken
verborgenen Aussagen, als müßten diese einer abweisenden und
irritierenden Umhüllung erst entrissen werden.
Der Bildhauer Werner Paß arbeitet seit vielen Jahren mit Stahl, einem
Material das sich nur in glühendem Zustand und unter hohem
Kraftaufwand während eines kurzen Zeitraums von einigen Minuten
formen läßt, ehe neue Hitzezufuhr im Feuer notwendig wird. Diese
Materialeigenschaften bedingen eine Arbeitsweise, die in denkbar
stärkstem Gegensatz zu jener Technik steht, der wir die dem Marmor
nacheifernde geschmeidige Glätte so vieler Skulpturen in den
Sammlungen alteuropäischer Kunstwerke verdanken: dem Bronzeguß. Daß
dabei die Herstellung der Gußform anhand eines Tonmodells erfolgt, ist
für den Bildhauer gleichermaßen Arbeitserleichterung und Verführung: Das
Modell kann beliebig oft verändert, seine Oberfläche immer neu geglättet
und nuanciert werden, bis am Ende die Entscheidung fällt, nun sei es alles
reif für die Erstellung der Gußform.
Werner Paß zieht das Schmieden des Stahls dem Bronzeguß vor: Das
Material wird direkt bearbeitet, die Kommunikation zwischen Bildhauer und
Objekt erfolgt ohne jedes vermittelnde Element. Die
Schmiedeeigenschaften des Stahls setzen ein gezieltes und überlegtes
Vorgehen voraus, das die wenigen Augenblicke optimal nutzt, in denen
das Material die erforderliche hohe Temperatur aufweist. Dieses präzise
und notwendig schnelle Arbeiten muß zudem unter Aufwendung
erheblicher Kraft stattfinden, denn auch im glühenden Zustand erweist sich
der Stahl noch als außerordentlich zäh und widerständig.
Auf der Oberfläche der Skulpturen bleiben die Narben des Feuers und der
Schläge erhalten, die notwendig waren, um aus einem Stahlblock eine
schlanke, stelenartige Figur oder eine in die Fläche gebreitete,
ausbalancierte Form zu schaffen. Daß deren Äußeres sich auch weiterhin
verändert, sich unter dem Einfluß von Luftfeuchtigkeit und Sauerstoff
farblich wandelt, feine Partikel sich bei Berührung ablösen ist ein durchaus
erwünschter Effekt, der nicht anders als die Entstehung dieser Skulpturen
aus Kraft und Feuer existentielle Sachverhalte demonstriert: Wandel und
Vergänglichkeit alles Seienden.
Gleichermaßen elementar stellt sich die Formsprache der Arbeiten dar, die
bestimmt ist durch den Gegensatz von horizontal zu vertikal. Sie
verweisen in ihrer gegenständlichen Reduktion auf wenig mehr (und doch
nicht weniger) als die Leiblichkeit des Menschen, auf Kopf und Rumpf. Die
Horizontale im Zusammenhang mit dieser angedeuteten Figürlichkeit
richtet unsere Aufmerksamkeit auf die Sphären des Schlafes, des Todes,
aber auch der Zeugung. Die Vertikale verkörpert Behauptung, Geist,
Ordnung und in besonderem Maße eine strenge Sakralität jenseits jeder
konkret gedachten religiösen Sinngebung.
Wir sehen Skulpturen, deren Proportionen wohl erwogen und ausgewogen
sind, ohne dabei wie die Bildwerke des antiken Griechenlands zu
versuchen, aus Vergleich und Vermessung von Individuen eine ideal
proportionierte Gestalt zu erzielen. Keine Bedenken hinsichtlich
naturalistischer Entsprechungen haben im Prozeß der Gestaltung den
eigenen Rhythmus der Formgebung gestört. Die gegen alle Widerstände
des Materials errungene Balance wird zur Manifestation großer Prinzipen
und allgemeiner Ideen, befreit von allen oberflächlichen anatomischen
Vorgaben und psychologischen Flüchtigkeiten. Es entfaltet sich eine ganz
andere Klassizität der Form.
Werner Paß' Skulpturen sind nicht dekorativ in dem Sinne, daß sie sich gut
dazu eigneten, in ein größeres Ensemble, in eine Objektgestaltung
eingefügt zu werden. Sie verweigern sich der scheinbar größeren
Deutungsfreundlichkeit offensiver Gegenständlichkeit ebenso wie der
Unverbindlichkeit der Abstraktion. Sie müßten irritierend und erratisch
wirken in den Foyers jener Zentren vermeintlich zweckrationalen Handelns,
in denen in unserer Gesellschaft die Mechanismen der Wertschöpfung
gesteuert werden.
Diese Skulpturen wollen sich auch nicht den Repräsentanten einer
bestimmten Richtung des kunsttheoretischen Räsonnements andienen,
die ihre eigene Urbanität zelebrieren und erst dann so recht auf Touren
kommen, wenn sie auf Künstler stoßen, deren Arbeiten bewußt mit den
Effekten der Überlagerung von Diskursen spielen, mit deren Spiegelungen
und Rückverweisen der Zeichen auf sich selbst. Die Skulpturen des
Bildhauers Werner Paß setzen Einfaches dagegen, das schwer zu erreichen
ist: Gewicht - Kraft - Dauer - Sein.

Dr. Diethard Sawicki

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