Virtuelle Galerie - Netzkunst im Kunstnetz

Als neuen Teilbereich finden Sie in der VIRTUELLEN GALERIE im KUNSTNETZNRW.DE von nun an Projekte zur "Netzkunst". Dort werden in einer offenen Projektreihe die spezifischen Möglichkeiten des Internets als Medium eigenständiger Kunst vorgestellt und ausgelotet. Es werden mediale Schlüsselbereiche wie Virtualität und Realität, Interaktion und Partizipation, Statik und Prozess, Lokal und Global aber auch das Verhältnis von Künstler/in und Betrachter eine Rolle spielen. Die Besucherinnen und Besucher von KUNSTNETZNRW.DE haben die Gelegenheit, in diesem Bereich der "Netzkunst" Kunstwerke aus einer noch ganz am Beginn stehenden und in vielfältiger Verzweigung und Entwicklung begriffenen Kunstform kennenzulernen und sich im "Pionierfeld" eines neuen Kunstmediums zu bewegen.

Name: Anja Kreysing 

Stadt: D

Anja Kreysing

AudioArchitekt

Seit 2002 entwickelt Anja Kreysing den AudioArchitekten als
kontinuierliches "work in progress".

Im Laufe der Zeit hat sich der AudioArchitekt neben den Projekten
Thuja (http://thuja.net) und Resonator (http://www.resonator.de) zu
einer weiteren Ebene der Person Anja Kreysing entwickelt.

Zunächst wurde die ursprüngliche Idee der akustischen
Raumverschiebungen verfolgt und es entstanden eine Reihe an
Aufnahmen aus Gebäuden in unterschiedlichen Kontexten. Schon bald
erweiterte sich diese Arbeit um eine wachsende Sammlung an
Aufnahmen aus parkenden Autos - den Carrecordings. Diese meist
extrem event-armen Aufnahmen führten zu Überlegungen zur
sensuellen Reizarmut und Reizreduktion in räumlichen Kontexten.

Hörbeispiele werden regelmäßig über einen Internetradiostream,
welcher über die AudioArchitekt-Website zu empfangen ist, gesendet.

Der Wunsch nach konkret bespielbaren Räumen, die als ideal für die
Präsentation dieser Aufnahmen erscheinen und somit auch
architekturtheroetische Überlegungen zu dem Verhältnis von Klang
und Raum, manifestieren sich in der Personifizierung des
AudioArchitekten: Der AudioArchitekt wird bei diesem online-Projekt
als Avatar mit individuellen Eigenschaften und Eigenheiten
weiterentwickelt.

Für die Zukunft sind folgende Aktivitäten geplant:

Die Sammlung von Audiographien dehnt sich kontinuierlich weiter aus.
Das so gewonnene Basismaterial kann in neuen AudioArchitekt-
Installationen zu konkreter Arbeit mit Architektur und
Architekturtheorie eingesetzt werden:

Zum einen werden Ausstellungsräume gestaltet, zum anderen liegt
ein Schwerpunkt auf der Arbeit im Baubestand. Mögliche Objekte sind
Neubauten vor Bezug, leerstehende Altbauten, öffentliche Gebäude,
Häuser interessierter Privatpersonen und Gewerberäumlichkeiten.

Darüberhinaus wird der Aufbau des AudioArchitekt-Büros weitergeführt.
Dieser Internetauftritt bekommt einen online-Avatar und
eine "Diskussionsmöglichkeit" mit einem "Archibot" über Architektur.
Der Arbeitsschwerpunkt des Büros liegt bei einer künstlerischen
Untersuchung zu dem Verhältnis von Raum und Klang in der
menschlichen Wahrnehmung.

Impliziert sind thematische Schnittstellen zu Architekturkritik und
Genderaspekte in Kulturbetrieb und Bauwesen.

| www.hauscasser.de/audioarchitekt/  



Name: Norbert Bayer 

Stadt: D

Norbert Bayer

Modern Mosaics

In seinem neuesten Kunstprojekt geht Norbert Bayer der Frage nach,
wie sich Zeit und Raum in unserem ganz persönlichen Alltag
manifestieren.

Ein Klick auf die Website offenbart auf den ersten Blick einen
scheinbar zufällig zusammengewürfelten Kosmos aus Mustern: florale
und geometrische, simple und komplexe, farbige und schwarz-weiße.
Doch neben jedem Muster steht eine beigefügte kleine Landkarte, auf
der mit einem Punkt ein spezifischer Ort bezeichnet ist: es ist der Ort,
an dem sich das Original zum Muster befindet. Dort materialisiert es
sich als physisches Objekt, d.h. als fest verankertes Terracotta- oder
Glasmosaik.

Bayers Recherche in Abhandlungen und persönlichen Reiseberichten
förderte Muster zutage, die nur selten fotografiert werden und wenn
meist nur am Rande, da sich das Interesse der Kunstwissenschaft und
der Reisenden nur auf die ins Auge springenden Genreszenen und
Personen darstellenden Motive zu stürzen scheint. Das flächige Dekor,
das den Rahmen bildet und zurückgenommen im Hintergrund bleibt,
wird in den Untersuchungen und Abbildungen zumeist ausgeblendet.

Die entstandenen Entwürfe sind Variationen dieser Mosaike, ohne
aber deren Charakter zu verraten. Der Bildschirmoberfläche
entsprechend sind sie aufgepixelt und zwar nicht nur aus technischen
Gründen. Die Rasterung wird sogar noch betont: durch die Fläche
jedes Mosaikpunktes von 2 x 2 Pixeln wird die Darstellung absichtlich
vergröbert. So wird in zweifacher Hinsicht darauf angespielt, daß es
sich bei den Originalen ebenfalls um durch kleine und kleinste
Steinchen aufgerasterte Vorlagen handelt.

Bayer bietet diese Muster für den Besucher als Modern Mosaic zum
Download an, so daß sich jeder das aktuelle Muster als
Bildschirmhintergrund laden kann. Damit werden durch die
Überführung in eine Pixelzeichnung und die Distribution auf der
Website die Mosaike nach jahrhundertelanger Beschränktheit auf
einen Ort endlich überall verfügbar gemacht. Von ihrer materiellen
Last und vom festgelegten Ort befreit können sie nun als virtuelles
Bild jeden beliebigen Rechner zieren. Dieser ist heutzutage, wie die
Villen oder Kirchen, in denen sich diese Muster ursprünglich befinden,
das Statussymbol Nummer Eins; der virtuelle Raum wird von vielen
dem konkreten Raum als Kommunikations- und Kontemplationsort
oft vorgezogen und genauso personalisiert und dekoriert.

Die teils sehr ausladenden Muster laufen nicht über den ganzen
Bildschirm, sondern sie werden gebrochen und durch farbige Flächen
abgesetzt. Dadurch entsteht ein räumlicher Effekt, Ecken und Kanten
eines Raumes werden sichtbar.
So werden die Bildschirmhintergründe erst alltagstauglich: die Ordner
können auf der Bildschirmoberfläche analog zum realen in einem
dargestellten Raum angeordnet werden.

Es gibt für jeden Monat des Jahres 2005 ein Modern Mosaic zum
Download. Wer sich Monat für Monat das aktuelle herunterlädt oder
per E-mail zuschicken läßt, kann sich so auf einer
abwechslungsreichen Reise durch die jahrhundertelange musivische
Tradition Europas von den Hintergründen inspirieren lassen. Bayer
führt so das Mosaik wieder auf seine ursprüngliche etymologische
Herkunft zurück, die aus dem griechischen stammt und "den Musen
geweiht" bedeutet.

Fabrizio Bianchi

| www.modernmosaics.net  



Name: Joulia Strauss und Roger Blum 

Stadt: D - Berlin

Joulia Strauss und Roger Blum

Elektrischer Widerstand

Netzkunst ist Kunst, die im Netz entsteht. Einst für die
Kriegsdatenspiegelung
entwickelt, später eine Projektionsfläche für substanzlose Utopien, ist
das heute zu einer reinen Kopie der analogen Wirklichkeit zivilisierte
Lieblingsmedium des Überwachungsstaates nicht mehr das Thema.

Eine heutige Kunst trägt trotzdem noch den Namen Netzkunst, um die
Differenz zu der analogen Kunst von Gestern zu wahren: die
Netzkunst entsteht in Netzwerken und prozessiert einen Widerstand
gegen alle langweiligen Produkte der individualistischen Sklaven.

Tief im dunklen Eichenwald, im sich geschlossenen Strommastenkreis
wächst eine Zahl, die von verschiedenen Perspektiven als
verschiedene Zahlen erscheint. Es ist EINE Zahl im pythagoreisch
allgemeinen. Eine Blume der Mathematischen Computerromantik. Die
Zahlen sind Pflanzen, die mathematischen Operationen sind Tiere.
Wir leben im Geheimen Deutschland. Wir sind die eurokontinentalen
Vampire. Jeder Stromschlag befreit das Wissen - Jedes Tier spricht
besser als Menschen. Denn das Es spricht kurvige Zeichen, die edle
Sprache der schönen Maschinen.

(Projekt und Text zum Projekt: Joulia Strauss / Roger Blum)
(Ton: Massimo Sex D'Electro)

• Flash Webseite, die den jeweils aktuellen Player benötigt. Die
neueste Version von Macromedia kann jeweils auf dem Startscreen
des Projektes unter dem "Macromedia Flash Logo" heruntergeladen
werden •


| www.goroo.net/elektrischerwiderstand/flash.html  



Name: Igor Stromajer 

Stadt: Ljubliana

Igor Stromajer

wPack (2004)

Igor Stromajer versteht seine Arbeiten als intime und mobile
Kommunikatoren. Seine künstlerische Recherche befasst sich mit dem
Feld der taktischen Emotionen und emotionalen Basisstrategien.
Arbeiten von ihm sind in diversen Sammlungen eingestellt. Darunter:
Georges Pompidou - Musée national d'art moderne, Paris, France; the
Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid, Spain; Moderna
galerija - the Slovene Museum of Contemporary Arts, Ljubljana,
Slovenia; Computerfinearts Gallery - net and media art collection, New
York, USA.

Das Projekt wPack (2004) wurde speziell für moderne, drahtlose
(‚wireless’) Übertragungsprotokolle wie WAP and WLAN gestaltet. Es ist
eine Art von Verteilzentrum, in dem Datenpackete für die drahtlose
Übertragung als Fertigpakete bereitgestellt werden, die Emotionen
aller Art kommunizieren können.

An diesem Punkte startet die Kommunikation jedoch erst. Bedingt
durch den noch immer fragilen Übertragungscharakter der drahtlosen
Übertragungswege besteht die dauernde des Verbindungsabrisses
und damit der kommunikativen Frustration.

Insofern verdeutlichen die Strukturen des Projektes wPack als
inhärente Bedingung der Kommunikation ohne Leitungsverbindung
die dauernde Möglichkeit des Kommunikationsabruchs. Diese
Grundgefahr wird wichtiger Teil des Projektes selbst. Daraus erklärt
sich auch die diffizile Präsentationsstruktur des Projektes: das
Fragmentarische wird zu einer Grundeigenschaft. Das was eine
Verbindung leisten kann und das, was sie nicht zu leisten vermag
überkreuzen sich in vielen Teilen und spielen in das Projekt eine
historisch-utopische Dimension ein; teilweise auch gekennzeichnet
durch die Namen der Einzelpakete wie history, revolution, north, no
mercy. Die nichtmöglichen Links und Verbindungen können dabei
auch als nie stattfindende „mögliche Zukunften“ in einer Welt, die von
Verbindungen überschwemmt wird, gelesen werden.

Daneben finden sich auch wPacks mit irrationalem oder spielerischen
Seiten: so etwa wenn exe-files angeboten werden und es zu einer
Frage des Vertrauens in den Künstler und sein Kunstwerk wird, ob
solche Dateien überhaupt geladen werden sollen. Dieser Bereich spielt
in den „Zwischenraum“ der datenkommunikativen Welt hinein,
the „mysterious nothing“ wie es der Künstler nennt. Die Prozeduren
der technischen Verfahren sind konsequent, aber nicht in ganzer
Linie „effizient“, durchaus eigenständig und nicht immer dienstbereit.

Die Beziehungen zwischen Emotion und Technologie, zwischen
Produktion und Verfahrensethik werden offenbar. Das Projekt wPack
enthüllt die Wirklichkeit und die irrationalen Einbrüche der technischen
Kommunikation, die an der Oberfläche als perfektes Geschehen
erscheint. Das ‚wireless distrubition center’ offenbart verschiedene
Ebenen, oder „layers“ wie Stromajer sie nennt, die Definitionsebenen
von dem öffnen, was wir als Verbindung, als Überbringung oder als
Zuordnung erleben.

| www.intima.org/wpack  



Name: Thomas Gerhards 

Stadt: BRD

Thomas Gerhards

"ICH - AG"

In einem Modul werden vom Künstler Thomas Gerhards sogenannte
web-sichere Farbflächen zum "Erwerb" gegen Gegenleistung
angeboten. Und zwar hinterläßt der "Erwerber" als Gegenleistung für
die Farbflächen seine e-mail Adresse in Kombination mit dem Hinweis
auf seine getätigte Farbauswahl.

Der Hinweis seiner Farbauswahl und seine e-mail Adresse sind im
Rahmen des Modules öffentlich. So können sich gleichgesinnte
Farbflächensammler (Kunstsammler) über die vielfältigen
Attributionen (Inhalt, Form, Wert, Sinn) ihrer erstandenen websicheren
Farben per e-mail miteinander austauschen.

Die/Der Internet-Nutzer/in kann in diesem künstlerischen Modul nach
der Art eines Internet-Shops aus einer Vielzahl der web-sicheren
Farben sich nach momentaner Befindlichkeit und Laune, Stimmung
und Ziel, Lebenslage und Kunstinteresse eine Farbe aussuchen, die
sich dann auf dem Bildschirm seines Computer-Monitors als
bildschirmfüllendes Popup darstellt.

Der Vorteil und die Überlegenheit dieser web-sicheren Farben für das
Internet ist, dass sie den größtmöglichen gemeinsamen Nenner für
das RGB(Rot-Grün-Blau)-Farbsystem zur Darstellung von
verschiedenen Farben im Internet darstellen. Denn Farbe ist gerade
im Internet nicht gleich Farbe. Verschiedene Betriebssysteme, Browser
und Bildschirme können Farben unterschiedlich darstellen. Es gibt
allerdings ein für das Netz entwickeltes Farbensystem, das auf allen
Rechnern, mit jeder Hardware so gut wie gleich dargestellt wird. Dieser
Farbenraum wird als "web-sichere Palette" bezeichnet. Er stellt einen
Standard dar.

Das Netzkunstmodul "ICH-AG" von Thomas Gerhards normiert und
standardisiert den Kommunikationsraum Internet auf der Seite des
Bezugsraumes Farbe für den Netzkunstnutzer. Die Verständigung
geschieht weltweit über gleichsinnige Farben. Damit wird der
Kommunikationsanlaß für alle Betrachter homogenisiert. Das
Rezeptionsergebnis zum Kunstereignis beruht auf einer weitgehend
normierten Ausgangslage, während gleichzeitig im verfügbaren
Farbraum für den Besucher die Auswahl frei ist. Thomas Gerhards
erweitert mit dem Konzept dieses Netzkunstmoduls die traditionelle
kunsthistorische Ausseinandersetzung mit dem Phänomen Farbe in
den technologisch aber auch referentiell und kommunikationsmäßig
neuen Raum des Internets.

| www.thomasgerhards.de/farben/  



Name: Matthias Schamp 

Stadt: BRD

Matthias Schamp

"Die kontravirtuellen Programme"

Kontravirtuelle Programme sind sehr spezielle, für den Computer
entwickelte Programme. Sie zielen nicht darauf ab, im Inneren des
Computers eine wie auch immer sich zeigende virtuelle Welt zu
generieren. Sie wirken vielmehr aus dem Computer heraus
strukturierend auf die Außenwelt ein.

Kontravirtuelle Programme können zum Beispiel das konkrete
Zueinander/Miteinander von Computer und Nutzerin oder Nutzer
verändern. Sie stiften Zustände und Abläufe auf der Ebene der
dinglichen Existenz des Computers und seiner räumlichen Verortung.

Kontravirtuellen Programmen ist gemeinsam, dass mit ihrer
Unterstützung in einer fortdauernden Schleife der Rückkopplung
Fragestellungen auf den Computer zurückprojiziert werden, die im
Grundsatz das Verhältnis von Virtualität und Realität betreffen. Dies
kann in vielfältiger Weise geschehen. Mehrdimensionale
Kommunikationszustände können dabei hervorgerufen werden.

Die Entwicklung der kontravirtuellen Programme wird laufend
fortgesetzt.

| www.kunstnetznrw.de/websites/schamp/index.html  



Name: "Mouchette" 

Stadt: NL



"MOUCHETTE"

"Mouchette"

1996 - 2004, NETHERLANDS

"Mouchette" ist eine "Cyber-Persönlichkeit". Sie wird ihrem
Netzpublikum als eine junge Künstlerin - noch nicht mal 13 Jahre alt -
vorgestellt. Die Daten erzählen, dass sie ihre eigene Webseite im
Oktober 1996 erstellte. Seit dem Launching der Webseite
hat "Mouchette" in digitaler Form an Kunstprojekten, Ausstellungen
und weiteren weltweit gestreuten Events teilgenommen. Die Webseite
ist Generator einer sich fortlaufend erweiternden (virtuellen) Identität,
die mit verschiedenen Formen des Prozesses einer durch das Internet
produzierbaren Figur arbeitet.

"Mouchette" spielt dabei mit den Eigenschaften der Verschränkung
einer personalisierten Webseite und einer sich in der Interaktivität
entwickelnden und veränderndern Persönlichkeit. Gleichzeitig sind
durch den formalen Grundzuschnitt der Seite gewisse Verankerungen
und Modulationswege der Identität von "Mouchette" vorgegeben.

Daneben gibt "Mouchettes" Identitäts-Sharing Interface registrierten
Web-Nutzern die Möglichkeit "Mouchettes" Online-Identität zu teilen,
zu erweitern oder zu verändern. So besteht die Möglichkeit für die
User bei Bedarf im Netz die Identität von "Mouchette" anzunehmen
und so nicht nur Emails unter dieser Identität zu senden, sondern im
Netz auch als Urheber der Figur zu erscheinen. Es entstehen im Laufe
der Zeit immer neue "schared mouchette identities" als mehr oder
weniger elaborierte Persönlichkeit im Netz, wobei die Stereotypien und
Verfahren des Internet mit dazu einladen, die Koordinaten von
Fiktivität und Realität neu zu justieren. Die "Cyber-Persönlichkeit" als
Kunstform und Resource von Persönlichkeitsfacetten kann so in
gewisser Weise die "Realwelt" infiltrieren.




| mouchette.org  



Name: Jens Sundheim / Bernhard Reuss 

Stadt: Dortmund, Wiesbaden

Jens Sundheim / Bernhard Reuss

"DER REISENDE"

Das Netzkunst-Projekt "Der Reisende" unternimmt den Versuch, das
Reisen genauso wie dessen Dokumentation im Zeitalter des Internet
(neu) zu definieren.

Reiseziel wie Reiseroute werden von Webcams vorgegeben, denen
der Reisende in der Annahme folgt, dass sie Sehenswertes erfassen.

"Ich war da", die scheinbar einzige Botschaft, oder besser: das Ziel.
An der Webcam angekommen, postiert sich der Reisende im Bild, wird
von der Kamera erfasst, um von nun an die Reise virtuell
fortzusetzen: In Pixel zerlegt, bewegt er sich durch Zeit und Raum,
ist - bei Eingabe der richtigenAdresse - auf jedem vernetzten Rechner
rund um den Globus nahezu gleichzeitig sichtbar.

Webcams produzieren, abhängig von technischen Möglichkeiten und
dem Willen ihrer Betreiber, ständig neue Bilder. Jede Stunde, jede
Minute, einmal am Tag oder in Echtzeit. Bevor das flüchtige Bild von
neuen Daten überschrieben wird, wird es von den Künstlern
abgepeichert und als "Webfotografie" konserviert.

So werden die erreichten Stationen durch die Webcambilder als eine
Art moderne und digitale Postkarte dokumentiert.

Die Gründe, Webcams auf die Welt zu richten, sind genauso vielfältig
wie die dabei entstehenden Bilder. Sie reichen von Information (zum
Beispiel über die Verkehrsdichte) bis zur Überwachung, vom Bewerben
touristisch sehenswerter Plätze bis hin zu privaten Webcams,
aufgestellt aus Technikbegeisterung oder auch
freizeitlichem Vergnügen, wenn oft nicht mehr als der Hinterhof ihres
Besitzers gezeigt wird. Auch hier gilt: ist der Hinterhof erst einmal im
Netz, wird er und damit auch der Betreiber der Webcam Teil einer
ganzheitlichen virtuellen Welt: des World Wide Web.

Nach und nach soll das Projekt den Reisenden auf alle Kontinente
führen, die Illusion einer grenzenlosen Reise entstehen.

Schlußpunkt der Arbeit ist ein Medienwechsel: Die Webfotografien
werden vom Bildschirm gelöst und als großformatige Ausbelichtungen
(ca. 70x100 cm) präsentiert.Bislang besuchte der Reisende rund 250
Webcams in Deutschland, Frankeich, Holland, Großbritannien, der
Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein und in den USA.


| www.der-reisende.org  



Name: Matthias Hammer 

Stadt: Wien

Matthias Hammer

"PLAY'N WIN" aus der Serie GET LUCKY

Zwischen virtuell und real spielt das Netzprojekt von "hammerlab" -
Matthias Hammer (Wien). Es ist als Netzperformance angelegt und
funktioniert an der Oberfläche nach dem Prinzip der
altbekannten "Doppelbildrätsel" und mit der Aufforderung "spot the
difference". Was - auch im Titel der Netzperformance "GET LUCKY" -
zunächst auf den Spiel- und Beobachtungstrieb des Betrachters zielt,
ist eine komplex aufgebaute Aktion mit einfachen kommunikativen
Tätigkeiten des Netzes. Neben offenkundigen inhaltlichen, formalen
und auch spielerischen Betrachtungsaspekten entsteht gleichzeitig
eine komplexe Verschränkung von konstituierenden Ebenen, die
Virtualität und Realität nicht nur in der Autorschaft von Kunst (mit
Begriffen wie: original, echt, authentisch, Einzelstück und vieles mehr)
sondern auch in der erweitert angelegten Kontaktebene von Künstler
und Betrachter zunächst zu generieren versuchen und dann in eine
konkrete Aktion überführen.


| www.kunstnetznrw.de/websites/hammer/x2hammerone.html  



Name: Carlo Zanni 

Stadt: Mailand/New York

Carlo Zanni

"4 UNTITLED PORTRAITS"

Carlo Zanni arbeitet in der Tradition der
abenländischen "Porträtmalerei" aber mit den Mitteln des Internet.
Das von ihm definierte Genre heißt "NewNewPortrait". Für Carlo Zanni
ist das "Porträt" in diesem neuen Sinne ein Paradigma unserer
Eingenidentität und unserer gesellschaftlichen Projektion mit den
technologischen und inhaltlichen Mitteln des Netzes. Das überschreitet
sehr weiträumig den Bereich des rein physischen Aspektes einer
Porträtabbildung im klassischen Sinne.

Konkret werden in der Arbeit 4 UNTITLED PORTRITS in den
Porträtbildern die Pupillen der Abgebildeten durch 1 pixelgroße Bilder
ersetzt, die alle 30 Sekunden aufgefrischt werden. Sie sind Ergebnis
einer Bildsuche mit einer "image-query" einer Internet-Suchmaschine.
Jedes Pixelbild setzt gleichzeitig einen Link zu dem originalen Bild
aus der Suchmaschinenabfrage. Der Ablauf der Suche findet
in "Echtzeit" nach Aufruf statt.

Die entstehenden Pixelbilder können durch den Bildbetrachter wie
normale Webbilder im Browser aufgerufen werden und auch wie eine
Webpage betrachtet werden. Der Prozess des Porträts ist damit offen
in Richtung neuer Bildinhalte. Die rechte Pupille jedes Porträts füllt
sich mit Pixelbildern, die die Suchmaschine aus fixen - aber zufällig
assemblierten - Keywörtern, die von den Porträtierten eingegeben
wurden, generiert. Die linke Pupille kann mit Such-Keywörtern, die der
Betrachter eingibt, angesteuert werden. Damit generiert sich das
jeweilige Porträt in der weitergehenden Projektionsfläche des Netzes
bei jedem Aufruf neu, ohne jedoch in der Startebene völlig aleatorisch
zu sein.


| www.zanni.org/4untitled  



Aktuelle Ausstellungen:


22.06.14 - 07.09.14

Denise Ritter: "Off-Time"
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29.06.14 - 21.09.14

Susanne Weirich: CHINESE BOXES
|
mehr dazu 

04.07.14 - 24.08.14

Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher u.a.: LICHT(e)WEGE, KASSEL 2014
|
mehr dazu 

12.07.14 - 21.09.14

Thomas Wrede u.a.: Elsewhere - Sehnsuchtsbilder in der zeitgenössischen Kunst
|
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Demnächst:


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